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Die Fischerkirche

Verstecktes Juwel in Rust

Susanna Steiger-Moser, Manfred Horvath

ISBN: 978-3-99028-872-6
24×21 cm, 144 Seiten, zahlr. farb. Abb., Hardcover m. Schutzumschl.
28,00 €
Lieferbar

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Leseprobe (PDF)



Kurzbeschreibung

Ein außergewöhnlicher Schatz der Freistadt Rust ist jedoch nach wie vor viel zu wenigen Menschen bekannt: die Fischerkirche. Dieses Baujuwel im Zentrum von Rust wird daher im vorliegenden Buch in einem vielfältigen Themenspektrum vorgestellt. Die stimmungsvollen Bilder von Manfred Horvath bieten genaue Einblicke, erfassen Räume, konzentrieren sich auf Details und geben zugleich einen Gesamteindruck wieder. Der Text von Susanna Steiger-Moser ermöglicht einen Rundgang durch die Kirche, der sowohl den heutigen Zustand der Malereien, Altäre, Plastiken oder Bilder in den Blick nimmt, als auch die Geschichte von Kirche und Einrichtung seit deren Erbauung durchschreitet. Ausführliche Erklärungen vieler Begriffe und Fakten machen einem breiten Publikum viel Wissenswertes zugänglich.

Das Buch dient sowohl den Besucherinnen und Besuchern direkt vor Ort zur Orientierung, als auch dem Lesepublikum im bequemen Sessel daheim zum Eintauchen in eine vergangene Welt, in die religiösen und säkularen Hintergründe einer nunmehr wieder lebendig gewordenen Lokalgeschichte.


[Texte von Susanna Steiger-Moser mit Fotografien von Manfred Horvath |
Hrsg. von der Röm.-kath. Stadtpfarre Rust]


Rezensionen
Eva Maria Teja Mayer: Ein Spiegel rauer Zeit

In der Fischerkirche in der burgenländischen Stadt Rust haben sowohl katholische als auch protestantische Gläubige ihre Spuren hinterlassen. Freskenschmuck und Ausstattung erzählen von der wechselvollen Geschichte der Region in den vergangenen 900 Jahren.

Etwas abseits der Touristenströme, erhöht am Ende des Ruster Rathausplatzes, liegt die Fischerkirche, ein mittelalterliches Gotteshaus. Stufen führen auf den Hügel, auf dem einst ein römischer Wachturm stand. Äußerlich wirkt der Bau schlicht, das Innere überrascht mit farbenfrohen Wandmalereien, Skulpturen und Altären aus Mittelalter, Renaissance und Barock.

„Die Fischerkirche spiegelt die wechselhafte Geschichte von Rust“, sagt die burgenländische Historikerin Dr. Susanna Steiger-Moser bei unserem Treffen. In ihrem Buch über die Fischerkirche schreibt sie nicht nur über Kunstgeschichtliches, sondern malt nach akribischem Quellenstudium auch ein lebhaftes Bild von den Bewohner:innen Rusts in den Religionskonflikten während Reformation und Gegenreformation im 16. und 17. Jahrhundert. „Beide Konfessionen hinterließen hier ihre Spuren – in Wandmalereien, Altären und Grabdenkmälern.“

Der romanische Vorgängerbau vom Beginn des zwölften Jahrhunderts war den Heiligen Pankratius und Ägidius gewidmet. Später riss man die Apsis ab und errichtete den Pankratiuschor mit gotischem Kreuzrippengewölbe, an den Wandmalereien des Chores arbeiteten Ende des 14. Jahrhunderts bis zu fünf verschiedene Künstler.

Zwischen 1275 und 1300 wurde neben der Kirche ein zweigeschoßiger Karner (Beinhaus) mit der ursprünglich dem heiligen Nikolaus geweihten Marienkapelle gebaut. Karner und Kirche verband man Anfang des 16. Jahrhunderts mit einem Querhaus, gleichzeitig erfolgte der Ausbau zur Wehrkirche. 1529 und 1532 wurde Rust von osmanischen Kriegern verwüstet, davon zeugen noch Brandspuren in der Fischerkirche. Der mittelalterliche Turm stürzte im 19. Jahrhundert ein.

Stifterin namens Maria
Woher stammt der Name Fischerkirche? „Diese umgangssprachliche Bezeichnung beruht auf einer Legende“, erklärt die Historikerin. Eine ungarische Königin Maria soll auf dem Neusiedler See in Seenot geraten sein und wurde von Ruster Fischern gerettet.

Als Dank stiftete sie zu Ehren des heiligen Nikolaus von Myra, dem Patron der Seeleute und Fischer, eine Kirche und ein sogenanntes Benefizium: Einmal wöchentlich sollte der Priester eine Messe feiern, dafür erhielt er ein Haus und Erträge eines Weingartens. Legende und Wirklichkeit decken sich höchstens in Spuren: Nur das Benefizium ist dokumentarisch bezeugt. Drei königliche Damen kommen als Stifterin infrage: Angesichts der Datierung des Karners hält Dr. Steiger-Moser eine Tochter König Stephans V. von Ungarn für die wahrscheinlichste Kandidatin, die man eventuell auch in einer Fensternische der Kapelle darstellte. Doch diese Maria wurde bereits mit zwölf Jahren 1270 in Neapel mit dem späteren König Karl II. von Anjou verheiratet und starb auch dort hochbetagt. „Vielleicht verschmolzen in der Überlieferung die Erinnerungen an mehrere Marien miteinander.“ Die Fresken der Kapelle könnten vom Hofmaler der Anjou stammen, Nachkommen Marias, die von 1308 bis 1385/86 in Ungarn herrschten.

Ein Fenster dieser Kapelle beherbergt das Lieblingsobjekt der Historikerin, leicht zu übersehen und nur bei gutem Lichteinfall zu bestaunen: eine gegen 1425 entstandene, etwa zehn Zentimeter breite Glasscheibe mit einem blondgelockten Engelskopf. „Die Gesichtszüge sind meisterlich modelliert, die Struktur des Haars wurde mit der speziellen Technik des Auskratzens herausgearbeitet“, sagt die Autorin.

Religiöse Konflikte
In der Marienkapelle finden sich Hinweise auf religiöse Konflikte: Die spätgotische Mondsichelmadonna von 1450 wurde hier erst aufgestellt, als die überwiegende Mehrheit der Weinbau betreibenden, wohlhabenden Wirtschaftsbürger von Rust evangelisch war. Nur die Taglöhner und ihre Familien, die am Ortsrand wohnten, waren katholisch. Katholische Pfarrer hatten bei der Bürgerschaft einen schweren Stand, evangelische Prediger waren der katholischen Obrigkeit ein Dorn im Auge. Um 1571 erklang in der Fischerkirche die erste evangelische Predigt. Die Deckenmalereien im Querschiff stammen wohl von einem protestantischen Künstler dieser Zeit: keine Heiligen, dafür Ranken, Weinstöcke, Fische im Seekraut, ein kleiner Winzer sitzt auf einer Weinrebe und erntet Trauben. Rust zählte von 1523 bis 1649 zum Krongut der Habsburger, die den Ruster Wein überaus schätzten.

Heute dient die Fischerkirche als Rahmen für Konzerte und Hochzeiten. „Leider müssen wir derzeit aus Personalmangel die Besichtigungszeiten unter der Woche einschränken“, seufzt Mesner Andreas. „Aber für interessierte Gäste bin ich erreichbar.“ Der Eintrittspreis von sieben Euro dient der Erhaltung der Kirche, Informationen lassen sich durch das Scannen von QR-Codes als Audioguide abrufen.

(Eva Maria Teja Mayer, Granatapfel. Magazin der Barmherzigen Brüder Ordensprovinz Europa Mitte zum Heiligen Johannes von Gott, 94. Jahrgang, Heft 9/2026, S. 28 f.)




Weitere Bücher des Autor*s im Verlag:


Anton David Steiger und die Wildensteiner Ritterschaft

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