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Anton David Steiger und die Wildensteiner Ritterschaft

Eine Aufsteiger-Biographie (1762–1832)

Susanna Steiger-Moser

ISBN: 978-3-99126-301-2
21,5×15 cm, 336 Seiten, zahlr. z.Gr.-T. farb. Abb., graph. Darst., Kt., fadengeheftetes Hardcover | Text dt., Zs.fassungen in engl. & ungar. Spr.
34,00 €
Neuerscheinung

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Leseprobe (PDF)



Kurzbeschreibung

Anton David Steiger – besser bekannt als „Ritter Hainz am Stein der Wilde“ – war das, was wir heute unter einem Aufsteiger verstehen. Aus bäuerlichen Verhältnissen stammend wird er Bergbaupionier, Verwalter in der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt und Gründer der „Wildensteiner Ritterschaft auf blauer Erde“ auf Schloss Seebenstein. Er war ein Visionär, dem sich seine Herkunft in den Weg stellte. Dennoch wusste er Verbindungen bis zu Erzherzog Johann zu knüpfen. Er scheute auch nicht davor zurück, seinen Lebenslauf zu schönen – so gut, dass seine Angaben ungeprüft in sämtliche Adelslexika der Monarchie übernommen wurden.

Das nun vorliegende Werk stellt neben der Geschichte der Ritterschaft jene des „kleinen Mannes“ in den Mittelpunkt, anhand derer das gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Umfeld seiner Lebenszeit dargestellt wird. Steigers Biographie lässt dabei Parallelen zur Gegenwart erkennbar werden – beides sind Zeiten des Umbruchs und auch die Begeisterung für das Mittelalter ist heute wie damals ungebrochen.

Die Publikation besteht aus einer bebilderten Biografie und einer Darstellung der Wildensteiner Ritterschaft. Im ausführlichen Apparat sind eine Bibliografie sowie detaillierte Register zu finden.


[edition SCIENCE · Verlag Bibliothek der Provinz]


Rezensionen
Wolfgang Häusler: [Rezension]

„Hainz am Stein der Wilde“, „Se. k.k. Hoheit Hanns von Oesterreich der Thernberger“, „Hans der Zermenthaler“ – wer sind diese sich so seltsam „altdeutsch“ schreibenden Mitglieder der Wildensteiner Ritterschaft? Der erste ist der „Oberritter und Stifter des Bundes“ Anton David Steiger von Amstein, k.k. Zahlmeister und Gewerk in Wiener Neustadt. Der nächste Namensträger ist nicht schwer zu erraten: Erzherzog Johann, „Hoch- und Großmeister“ nach dem Rücktritt des ebenso titulierten Steiger. Der dritte ist sein Privatsekretär Johann Baptist Zahlbruckner, führender Botaniker der alpinen Flora, „Ober-Säckelmeister“ als Ökonom des Ritterbundes.

Die Literatur über die Wildensteiner Ritterschaft und ihre Schicksale ist alt. Außer Mut­maßungen über Blüte und Aufhebung der Gesellschaft kam wenig Information aus Quellen­forschung hinzu. Grundlegend bleibt allemal der Wiener Chronist Karl August Schimmer, Geschichte der Wildensteiner Ritterschaft zu blauer Erde auf Burg Sebenstein (1851), einge­leitet mit einem larmoyanten Gedicht: „Was ich zeigen will / Ritter, Knappen und Turney, / Festgelag und Minnespiel / und die alte deutsche Treu, / die in unsrem Vaterland / Seit uralter Zeit bestand, / Und die heute noch besteht, / Nur mit uns zu Grabe geht“ (S. 214). Aus der verklungenen Tradition rettete sich die wissenschaftliche Burgenforschung – im Viertel un­ter dem Wienerwald in großer Intensität bis heute –, so in Band 1 (1856) der „Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien“, die Abhandlung eines dieser Pioniere: der früh verstorbene Friedrich Otto Edler von Leber über Seebenstein als „Restaurirte Ritterburg“. Hier würdigte auch Joseph Scheiger „Drei Persönlichkeiten des Seebensteiner Ritterbundes auf blauer Erde“.

Es geht um einen bürgerlichen Aufsteiger in einem noch feudal verfassten absolutistischen System. In seinem Lebenslauf kann Steiger als „Selfmademan, Neureicher, Emporkömmling, Arrivierter, Aufsteiger, Karrieremacher oder Konjunkturritter“ (S. 11) kritisch beschrieben werden – Widersprüche im Entstehungsprozess des modernen Bürgertums als Träger der ka­pitalistischen Ökonomie – Citoyen und/oder Bourgeois?

Zunächst werden die in der Literatur nicht korrekt überlieferten Lebensdaten richtigge­stellt: Geburt im westungarischen (burgenländischen) Pöttsching/Pecva/Pecsenyéd am 2. Fe­bruar 1762, gestorben und begraben in Wiener Neustadt (29. Jänner 1832). Der Vater aus der weit verzweigten Familie Steiger kaufte sich 1792 aus der Esterházyschen Erbuntertänigkeit los und war Wirt im Leithagasthaus von Neudörfl/Lajtaszentmiklos. Die Grafen Pergen – drei Mitglieder dieser einflussreichen Adelsfamilie sollten dann der Ritterschaft angehören – besaßen u. a. die Herrschaften Seebenstein, Thomasberg, Aspang und Pottenbrunn. Sie und die Freimaurer Rudolf Graf Wrbna und der Naturwissenschafter Ignaz von Born, der Sarastro der „Zauberflöte“, förderten den begabten jungen Mann. Steiger studierte als freier Hörer an der Schemnitzer Bergakademie, war Herrschaftsrentschreiber und erreichte den Höhepunkt seiner Berufslaufbahn 1792 als Burg- und Ökonomieverwalter an der k.k. Militärakademie von Wiener Neustadt. Er bewährte sich in diesem Amt bei der Evakuierung der Akademie, als die Truppen Bonapartes 1797 bis zum Semmering vorrückten.

Seit 1785 prospektierte Steiger Vorkommen von Steinkohle (d. h. Braunkohle im Gegen­satz zur Holzkohle). Der Hauptbergbau bestand am Brennberg bei Sopron/Ödenburg. Auch in der Schauerleiten bei Klingfurth/Walpersbach entdeckte und erschloss Steiger Kohlenschurfe. Der landschaftsgestaltende Kohlenbergbau der „Neufelder Seenplatte“ beruhte auf den von Steiger geschaffenen Grundlagen. Den Transport nach Wien, wo die Ziegelöfen Alois Mies­bachs die wichtigsten Abnehmer waren, ermöglichte der Bau des Wiener Neustädter Kanals 1793–1803, verlängert bis Pöttsching 1811. „Die Entdeckung bedeutender Steinkohlenwerke zum Nutzen des Staates und zur Verminderung des Holzverbrauches“ (S. 65) führte zur Nobi­litierung Steigers 1812; sein Wappen zeigt realistisch einen Stolleneingang, mit Seilwinde, ein gekrönter Löwe hält Bergmeissel und Schlägel in den Tatzen. Der erfolgreiche Montanist fasste sein Lebenswerk unter dem Titel „Steiger’sche Steinkohlebau-Gesellschaft“ 1823 zusammen, er reichte Patente zur „Veredelung“ von Mineralkohle ein: „Coaks“, Koks, sollte die teure Holz­kohle in der Eisenerzverhüttung ersetzen.

Während der Wiener Neustädter Kanal und seine Bedeutung für den Holztransport aus den Gebirgswäldern von Rax und Schneeberg (der „Raxkönig“ Georg Huebmer war mit Steiger bekannt) gut erforscht sind, gibt es noch keine zusammenfassende Darstellung des frühen nie­derösterreichischen Kohlenbergbaus, der in Thallern an der Donau 1758 begann. Dort besteht seit 2000 ein gut dokumentierter Bergwerkgedenkweg. Die wirtschafts- und sozialgeschichtli­che Erforschung hat hier noch ein großes Arbeitsfeld, insbesondere zur Frage nach Ausbildung einer Bergarbeiterschicht aus der bäuerlichen Bevölkerung. Die montanistische Tradition des Vaters setzte der Sohn Johann Baptist Anton fort – er wurde Ministerial-Sekretär im Amt für Münz- und Bergwesen. Sohn Hermann aus zweiter Ehe entdeckte die nach ihm benannte Tropfsteinhöhle bei Kirchberg am Wechsel. Der erstgeborene Bruder Dr. Stephan Steiger war als Arzt erfolgreich (S. 106 ff.).

In seinem Ansuchen um die Adelserhebung führte Steiger an, „der Entdecker des europäi­schen Lapislazuli“ zu sein (S. 94). Seine Fundstelle war Stickelberg in der Buckligen Welt; die wichtigste Fundstelle und Typlokalität wurde der Freßnitzgraben bei Krieglach. 1795 wurde der Blauspat unter dem Namen „Lazulith“ vom Berliner Chemiker Martin Heinrich Klaproth, Entdecker der Elemente u. a. Uran und Cer, als Phosphatmineral definiert, zeitweise auch als Klaprothin bezeichnet. Die Verwechslung mit Lapislazuli lag nahe – allerdings ist dieser vor­wiegend aus Afghanistan kommende Zierstein im strengen Sinn kein Mineral, sondern, da der tiefblaue Lazurit mit Pyrit und Kalzit vermengt ist, ein Gestein. Die Bezeichnung hängt mit der Farbsymbolik der Freimaurerei zusammen, das Blau des Universums – noch vor der Blauen Blume der Romantik (Novalis).

Der wirtschaftliche Erfolg ermöglichte Steiger die Pacht der Burg Seebenstein, die wegen des Baues eines wohnlichen Schlosses am Bergfuß zu verfallen drohte. Hier entstand, zunächst informell, seit etwa 1790 die Wildensteiner Ritterschaft. Die Räume wurden mit echten und mehr noch imitierten „altdeutschen“ Rüstungen und Waffen bestückt, Kunst- und mineralo­gische Sammlungen wurden angelegt. Ein „Gerichtsraum“ und das „Angstloch“ zum „Verlies“, dieses mit origineller Kerkerausmalung, haben sich noch erhalten. Gestaltung und Einrichtung von „Oberritterstube“ und „Prunksaal“ sind grafisch überliefert. Realien der Ritterschaft haben sich vor allem in der Sammlung des Hofrats Heinrich von Wiedl (NÖ Landessammlungen) erhalten; der Wildensteiner Pokal Erzherzog Johanns (Abb. 56) wird im Joanneum aufbewahrt (S. 125 ff., 154 ff., 164 ff.). Ein Netzwerk von Adeligen und Bürgern, viele davon mit freimau­rerischen Beziehungen, war entstanden, das sich 1806 umfangreiche „Vorschriften für die Wil­densteiner“ gab. Die „guten Freunde“ seien „für die Sitten, Sprache und Gebräuche der alten biedern deutschen Ritter gestimmt“. „Biederkeit, Wohltätigkeit und Freundschaft“ sollten die Säulen des Bundes sein. Eine hierarchische Ordnung berücksichtigte die Funktionen, die zum Teil an die echten Berufe anknüpften. „Lehensherr und Ritter“ war der Herrschaftsinhaber Jo­seph Graf Pergen. Da gab es den „Schirmvogt“ Felix Mießl, Bürgermeister von Wiener Neustadt, bedeutender Industrieller und Gründer von Felixdorf („Ehrenrecht zu Neidhart“). Als „Kanz­ler“ fungierte der Wiener Neustädter Kaufmann Franz Wuizl („Gustav von Reisebusch“). Es gab „Geheimschreiber“, „Schöppen“, „Gau- und Burgpfaffen“, „Ministerialen“, „Gauärzte“, „Tur­nier-“ und Freiknappen“, den „Ober-Prunkmeister“, „Turnier-Marschalle“ und einen „Groß-Al­mosenier“ (tatsächlich wurde großzügige Armen- und Notstandshilfe geleistet) usw. (S. 140 ff.).

Die Aufnahmezeremonie spiegelte das Ritual der Freimaurer, vermittelt wohl auch durch die entsprechenden Szenen in Mozarts „Zauberflöte“: verbundene Augen, Versenkung ins Ver­lies, Ritter mit brennenden Fackeln in schwarzen Mänteln und mit geschlossenen Visieren, ver­wirrende Führung durch Stiegen und Gänge, Aufnahme in der Gerichtsstube mit blauem Bo­denmosaik, Bestreuen des Hauptes mit „blauer Erde“ (vermutlich pulverisierter Blauspat), Rit­terschlag und Schwur auf „das entblößte Ritterschwert“. „Stillschweigen“ wurde geboten, auch Verwahrung gegenüber „dem Verdachte einer gesetzwidrigen geheimen Verbindung“. Darüber hinaus waren verpflichtend „Gehorsam gegenüber der k.k.Majestät und den Landesgesetzen, Vermeidung bzw. Anzeige von Meuterei, Verrat oder Aufruhr“ (S. 140 ff.). Der „Verdacht“ blieb freilich nicht aus. Trikolore blau-weiß-rote Farbkombinationen in der Rittertracht und im Fahnenschmuck mussten die Polizeihofstelle misstrauisch machen – sie war die Gründung von Johann B. Anton von Pergen; sein Denkmal steht an der Fassade der ehemaligen NÖ Statthal­terei (Minoritenplatz 8). Nach dem Prinzip „man kann ja nicht wissen“ argwöhnte Kreishaupt­mann Karl Edler von Stieler 1806 „Mißbrauch“ und „Keime zu verderblichen Verbindungen“. Er ließ sich freilich rasch von der Harmlosigkeit und Loyalität der Wildensteiner überzeugen und gestattete „Vergnügungen und Feste“, ohne „Ordensprunk“. Mehr noch – er trat dem Bund als „Siegmund von Wallsee“, „Schirmvogt und Bundeshauptmann“, bei.

Die Sichtung der Mitglieder der Ritterschaft belegt in einem repräsentativen Querschnitt die Durchdringung der Aristokratie durch bürgerliche Aufsteiger im Namen von Bildung und Besitz (S. 174 ff.). Am 11. März 1815, in der Zeit des Wiener Kongresses, kam Erzherzog Jo­hann in hoher Begleitung: Der 18jährige Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, 1861 König von Preußen, der als Wilhelm I. 1871 Deutscher Kaiser werden sollte, ist als „Wilhelm der Brandenburger“ in das Verzeichnis der Ritterschaft eingetragen. Ferner kamen Prinz Leopold von Sachsen-Coburg, nachmals König von Belgien, und Karl August von Sachsen-Weimar, bald Großherzog. Der Freund Goethes blieb durch weitere Besuche als schlichter „Paul von Weimar“ in enger Verbindung mit der Ritterschaft. (S. 175 f.).

Kaiser Franz – Seebenstein erscheint ja geradezu als Parallelaktion zu seiner Gestaltung des Laxenburger Parks mit Franzensburg und Rittergau – kam höchstselbst am 28. Mai 1811, be­sichtigte eingehend die Burg, ihre Altertümer und Raritäten und äußerte kryptisch: „Ich finde Alles über alle Erwartung!“ (S. 166). Die Divergenz zwischen dem Kaiser und seinem Bruder Johann steigerte das Misstrauen gegen die Ritterschaft. Johann war ja seit 1807 als Gutsherr von Thernberg gewissermaßen Nachbar der Seebensteiner. Offiziell trat er 1813 der Ritterschaft bei und erhielt den irritierenden Titel eines „Hoch- und Großmeisters“, den vor ihm Steiger geführt hatte. Zeitgleich vertiefte die Alpenbundaffäre den Konflikt – Johann hatte mit dem politisierenden Historiker und Archivdirektor Joseph von Hormayr wiederholt Seebenstein besucht.

Das Ende kam unerwartet und abrupt. Regierungspräsident Augustin Reichmann, Freiherr von Hochkirchen, verlangte mit Schreiben vom 30. April 1823 von Steiger brüsk, „die Ge­sellschaft unverzüglich gänzlich aufzulösen und ihre Versammlungen für immer einzustellen“, obwohl „die Namen achtbarer, ja selbst allgemein und hochverehrter Männer, die Mitglieder der Gesellschaft sind, die Reinheit ihrer Absichten verbürgen“. Steiger gehorchte ohne Wider­spruch und verließ die Burg, die Fürst Johann von Liechtenstein 1824 kaufte. Er lebte dann, unter zuletzt gedrückten Verhältnissen, in Wiener Neustadt. An seinem Wohn- und Sterbehaus (Herzog Leopold-Straße 26) brachte die Schlaraffia eine Gedenktafel an.

In seiner Blütezeit wurde der Ritterbund selten kritisiert, so der Aufklärer Joseph August Schultes, der von „Ritterfarce“ und Möblierung „im Geschmacke der Barbarey“ sprach (S. 216). Zuletzt wurden die Wildensteiner belächelt: Aufgrund einer französischen Ballettmusik ver­fasste Adolph Bäuerle das Stück „Der blöde Ritter“, das am 22. März 1822 im Theater in der Leopoldstadt Premiere hatte und 31 Aufführungen erlebte. Die Kritik erkannte „Anspielungen auf eine bekannte hiesige Gesellschaft, die sich zuweilen im Scherze in die Zeit des zwölften Jahrhunderts versetzt“ (S. 211f.). Ob Nestroys Stück „Die Zauberreise in die Ritterzeit“ (1832), bei den Nestroy-Spielen in Schwechat 2025 wieder aufgeführt, noch ein ferner Nachruf ist, bleibt zu prüfen.

1818 hatte Erzherzog Johann Thernberg verlassen, er übersiedelte in den steirischen Brand­hof. 1828 wurde die Herrschaft Thernberg an Fürst Liechtenstein verkauft. Mit der künstli­chen Ruine „Türkensturz“ setzte Fürst Johann von Liechtenstein sein historisierendes Land­schaftsgestaltungsprogramm fort.

Gut gegliedert präsentiert Steiger-Moser Biografie und Stellung der Wildensteiner Ritter (S. 226 ff.), etwa die Fabrikanten von Wiener Neustadt und den Großindustriellen August von Rosthorn (Rawsthorne, „Adamar“) oder Carl Hardtmuth („Ritter Emerich“). Besonders genannt sei Karl Ludwig Giesecke (geboren als K. L. Metzler in Augsburg), vielseitig tätig als Schauspieler, Theaterdichter und Mineraloge. Er übersetzte „Le nozze di Figaro“ und „Così fan tutte“ vom Italienischen ins Deutsche. Möglicherweise wirkte er als Mitarbeiter Schikaneders am Libretto der „Zauberflöte“ mit. 1800 widmete er Steiger ein Hochzeitsgedicht. Als „Ed­mund der Schellenberger“ fungierte er als „Geheimschreiber und Siegelbewahrer“ der Ritter­schaft. Er wandte sich dann ganz der Mineralogie zu und bereiste forschend 1806–1813 Grön­land. Dort entdeckte und beschrieb er den aluminiumhaltigen „Eisstein“ Kryolith, anfänglich auch als Gieseckit bezeichnet. Seit 1813 wirkte er als Professor der Mineralogie in Dublin, wo er 1833 als Sir Charles Lewis Giesecke starb (S. 234). Nicht zuletzt ist Joseph Schnepfleitners zu gedenken: gelernter Schneider aus Zell am See, Grafiker, Maler, Schauspieler, Koch, Kellner, Feuerwerker, kurz das Faktotum des Seebensteiner Ritterbetriebs als „Burgvogt Kuno“, Herold, Haus- und Leibknappe: Er harrte auf der Burg Seebenstein aus und besuchte Steiger oft.

Das Andenken an Steigers Ritterschaft lebt in der Neustädter Schlaraffia, als Reych Nr. 77 im Jahr 1885 gegründet, fort. Der Orden der Wildensteinia zu Neostadia hält einen „Wilden­steiner Prachthumpen“ aus der Gründungszeit in hohen Ehren (S. 223 ff.). Eine kritische Bestandsaufnahme gilt zuletzt dem „Zeitgeist ,Ritterromantik’“. Zu Recht warnt die Autorin vor diesen retrospektiven Utopien als „Gefahren, die von derartigen Begeis­terungen und ihren kruden Interpretationen der Vergangenheit“ ausgehen. In politischer Hin­sicht droht Missbrauch: „Das Mittelalter dient oft als Projektionsfläche für Herrschaftsansprü­che und Illusion“ (S. 242 ff.). Die Durchdringung der feudalen Gesellschaftsordnung mit den kapitalistischen und politischen Interessen des Bürgertums führt in eine Zeit des Übergangs und Umbruchs – unsere Sicht der Geschichte wird am exemplarischen Leben und Wirken des Anton David Steiger geprüft und erhellt.

(Wolfgang Häusler, Rezension in den Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung (MIÖG), Jg. 134 (2026), Band 2, S. 488)




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Die Fischerkirche

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